Harnwegsinfekte Kinder

  • Bei jedem Kind unter 3–4 Jahren mit Fieber ohne Fokus Urin untersuchen! Ein häufiges Symptom ist Schüttelfrost
  • Zuerst Urin-Streifentest (mit Lc, Ec, EW und Nitrit)
  • Falls nicht normal, d. h. Lc > 75 / 1+, Ec > 10 / 1+, Nitrit pos, EW > 1+: Uricult ansetzen + CRP bestimmen
  • Uringewinnung: Säckliurin zur Orientierung möglich; falls nicht normal –> Mittelstrahl-, Katheter- oder Blasenpunktionsurin (s. Vollversion Abschnitt 2.1)
  • Falls eindeutiger HWI (Lc ≥ 250 / 3+, Ec ≥ 50 / 2+, Nitrit pos., EW ≥ 2+) behandeln (s. u.)
  • Bei fraglichem Resultat (zwischen normal und eindeutig pathologisch):
    • Falls CRP erhöht > 50 mg/l: behandeln
    • Falls CRP nur gering erhöht: Uricult abwarten und telefonische Nachfrage oder klin. Kontrolle in < 24 h
  • Ultraschall im Akutstadium nicht nötig, da nicht aussagekräftig
  • Kinder mit febrilem HWI ab 3 Monaten mit oralem Cephalosporin (Suspension) der 3. Generation behandeln:
    • Cefpodoxim (Podomexef®): 2 x 4 mg/kgKG/d (2 Dosen/d) für 10–14 d
    • Alternativ Cefuroxim: 2 x 10–15 mg/kgKG/d (2 Dosen/d) für 10–14 d
      Rückmeldung über Verlauf innert 24–48 h nötig (telefonisch oder klinisch)
  • Bei klinisch gutem Ansprechen (afebril, guter AZ), ev. bestätigt durch sinkendes CRP, soll die Therapie nicht umgestellt werden, auch wenn die Kultur eine Resistenz auf das verabreichte Antibiotikum zeigt
  • Primäre Hospitalisation und initiale i.v. Therapie zwingend nötig falls:
    • Säugling unter 3 Monate alt (gestationsalterkorrigiert, d. h. FG ev. bis 6 Monate!)
    • Kind in schlechtem AZ (septisch, totale Trinkverweigerung)
    • Bekannte Fehlbildung der Harnwege oder vesikoureteraler Reflux > Grad II
    • Immundefekt
  • Sekundäre Hospitalisation falls:
    • Keine Entfieberung innert 48 h
    • Keine AZ-Verbesserung trotz Antibiotika und Antipyretika
    • Rezidivierendes Erbrechen, Erbrechen der Medikamente
  • Kinder mit afebrilem HWI (Zystitis, Urethritis):
    • Cotrimoxazol (Bactrim®, Generika) 36–40 mg*/kgKG/d ≈ 4 ml Sirup pro 5 kgKG/d (* 36 mg Cotrimoxazol = 6 mg Trimethoprim + 30 mg Sulfamethoxazol)
    • Co-Amoxicillin 50–75 mg AMX/kgKG/d in 2–3 Dosen
    • Cephalosporine 3. Generation (s. o. bei febrilem HWI)
    • Cephalosporine 2. Generation wie Cefuroxim 20 mg/kgKG/d in 2 Dosen

Therapiedauer: 3–5 d (Einmaldosis bei Kindern nicht empfohlen)

Ist abhängig vom Alter und ob 1. HWI oder Rezidiv:

  • Nach febrilem Harnwegsinfekt beim gesunden Kind: Immer eine Sonographie der Nieren und ableitenden Harnwege nach ca. 4 Wochen
  • Zusätzlich ein MCUG nach 4–6 Wochen bei folgenden Kindern < 4 Jahre:
    • Kinder < 3 (–6) Monate beim 1. HWI
    • Rezidivierende febrile HWI
    • Auffällige Sonographie (Stauung, Fehlbildung usw.)
    • Familienanamnese (Reflux, urologische Fehlbildungen)

Bis zum MCUG soll eine Antibiotikaprophylaxe gemacht werden

Ist erforderlich:

  • Bei kleinen Kindern mit hochgradigem vesikoureteralen Reflux (> Grad II) im MCUG
  • Bei Kindern unter 3 Monaten nach 1. HWI bis zum MCUG (falls eines indiziert ist, s. o.)
  • Bei Kindern > 3 Monate mit auffälliger Sonographie nach 1. HWI bis zum MCUG
  • Bei komplexen urologischen Fehlbildungen nach Absprache mit Urologie/Nephrologie
  • Bei rezidivierenden HWI bei Blasenfehlbildungen/Dysfunktionen z. B. neurogener Blase
  • Gelegentlich bei rezidiv. unteren (afebrilen) HWI bei Mädchen bis 10 J

Medikament für die Dauerprophylaxe

  • Cotrimoxazol (Bactrim®, Generika) 18–20 mg*/kgKG/d ≈ 2 ml Sirup pro 5 kg/d (* 18 mg Cotrimoxazol = 3 mg Trimethoprim + 15 mg Sulfamethoxazol)

Anwendung: Bei kontinenten Kindern in einer Einmaldosis (alle 24 h) vor dem Schlafengehen, bei inkontinenten Kindern (Windeln) aufgeteilt in 2 Dosen (alle 12 h)

 

Indikation und Dauer einer Antibiotikaprophylaxe

Geschlecht / VUR

VUR* > Grad II

VUR* ≤ Grad II

Männlich

Bis 2 Jahre oder normalem Kontroll-MCUG (1–2-jährlich)

Nach Rezidiv bis 2 Jahre alt

Weiblich

Bis 4 Jahre oder normalem Kontroll-MCUG (1–2-jährlich)

Nach Rezidiv bis 4 Jahre alt

 

 

 

 * VUR = vesikoureteraler Reflux 

Autoren: Dr. med. R. Solèr, Dr. med. U. Beise

Änderungsdatum: 12/2018

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