Hauttumoren

Basalzellkarzinom

  • Prädilektionsstellen: Gesicht > Rumpf > Capillitium > übrige Haut
  • Entwicklung ohne Vorstufen auf meist unauffälliger Haut über Monate bis Jahre
  • Diagnosestellung klinisch (+ Dermatoskopie) und histologisch gesichert mittels Biopsie aus dem Randbereich
  • Häufig treten zeitgleich oder nach Jahren weitere Primärtumoren auf

Tabelle: Die 3 Haupttypen der Basalzellkarzinome

Noduläres Basalzellkarzinom (Basalioma solidum), > 60 % d. F. 

  • Langsam wachsende halbkugelige, glasige, hautfarbige bis rötliche flache Papel (tastbar), häufig mit perlschnurartigem Randsaum mit Teleangiektasien
  • Bei lang bestehenden Papeln zentrale Ulzeration mit ev. Kruste, rez. Blutungen ohne Trauma
  • Pigmentierte Variante mit Melanineinlagerungen oder zystische Variante (v. a. an den Unterlidern)

Superfizielles Basalzellkarzinom (Rumpfhautbasaliom, da häufig am Rumpf oder oberen Extremitäten), 15 % d. F.

  • Scharf aber unregelmässig begrenzte erythematöse, leicht erhabene Plaques mit feiner Schuppung und langsamem Wachstum. Kein Juckreiz, kein Brennen aber Aussehen ähnlich wie bei einigen entzündlichen Dermatosen
  • Differentialdiagnose: Ekzem, Psoriasisplaque, M. Bowen, plane seborrhoische Warzen

Szirrhöses Basalzellkarzinom (infiltrierend, sklerodermiform, morpheaartig), 8 % d. F.

  • Häufig diskreter Befund mit narbiger, erythematöser, evt. atrophischer Plaque (mit Finger spürbar) mit Telangiektasien, selten Ulzeration
  • Starke Neigung zu Infiltration tiefer gelegener Strukturen (Grenzen schlecht definierbar)
  • Prädilektionsstellen: Nase, Stirn, Wangen

 

Noduläres und szirrhöses BCC

  • Chirurgische Totalexzision
  • Bei sklerodermiformem BCC dazu schnittrandkontrollierte chirurgische Exzision anstreben
  • Nur bei nodulärem BCC ab 60 J., falls Chirurgie kontraindiziert/nicht möglich ist: Radiotherapie (2 x wöchentliche Sitzungen für 6 Wochen ohne Unterbrechung)
  • Photodynamische Therapie (PDT) mit Aminolevulinatis hydrochloridum (Ameluz®) oder Methyl-5-amino-4-oxopentanoat (Metvix®) kann beim nodulären BCC als Alternative zur Exzision eingesetzt werden

Superfizielles Basalzellkarzinom

  • Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff (-200 °C)
  • Photodynamische Therapie (PDT)
  • Imiquimod (Aldara® Creme)
  • 5-Fluorouracil (Efudix® Creme)
  • Curettage, Elektrodissekation mit Elektrokauter, CO2-Laserablation
  • Chirurgische Totalexzision

Heilungsraten

  • > 95 % bei primären Basalzellkarzinomen, 90 % bei Rezidivtumoren

Nachsorge

  • Kontrolle nach erfolgreicher Therapie nach 3, 6 und 12 Monaten, anschliessend 1 x jährlich (Rezidive und Zweittumoren!)
  • Sonnenschutz

Spinozelluläres Karzinom (Plattenepithelkarzinom)

  • Hauttyp I + II
  • Das Erkrankungsrisiko steigt mit der UV-Strahlungsdosis, der ein Mensch im Laufe des Lebens ausgesetzt ist (kumulative UV-Dosis), deswegen meistens > 40 J.
  • Berufe im Freien: Bauarbeiter, Strassen- und Gleisarbeiter, Forst- und Gartenarbeiter, Landwirte, Personal in offenen Schwimmbädern (als Berufskrankheit anerkannt)
  • Immunsuppression
  • Chronisch-entzündliche Hautveränderungen (straffe Narben, Hautatrophien, Lupus erythematodes-Herde, Acrodermatitis chronica atrophicans, chronische Ulzera, langjährige Fisteln)
  • Erscheinungsbild
    • Hautfarbene oder erythematöse Papeln, Knoten oder Plaques (infiltrierte, spürbare Läsion) mit keratotischer (schuppend oder rauh) oder ulzerierter Oberfläche (erscheint beim Austrocknen wie eine Kruste), teilweise mit Blutungsneigung
  • Prädilektionsstellen
    • Kopf und Hals > Handrücken > Décolleté > übrige Haut
  • Entstehung direkt oder aus Vorläuferläsionen wie aktinischer Keratose oder Morbus Bowen
  • Diagnosestellung klinisch, Bestätigung mittels histologischer Biopsie
  • Abtasten der Lymphknoten
  • Staging: Sonographie der lokoregionären Lymphknoten

Exzision

  • Chirurgische Exzision mit histopathologischer Kontrolle der Schnittränder

Strahlentherapie

  • Indiziert bei Patienten über 60 J. mit gut differenziertem SCC und Kontraindikation für Operation

Therapie der Präkanzerosen

  • Siehe Therapie des superfiziellen BCC
  • Bei aktinischen Keratosen ausserdem: Lokaltherapie mit Ingenol mebutat (Picato® Gel), Diclofenac (Solaraze® Gel), Imiquimod 3,75 % (Zyclara® Creme), sowie sekundäre Prävention mit chemischem Peeling (z. B. mit Airol® Creme) oder totalem Sonnenschutz SSF 50+ (z. B. Daylong actinica® Creme)
  • In Ausnahmefällen grossflächige, tiefdosierte Radiotherapie

Nachsorge (Nachkontrollen) 

  • Für SCC Kontrolle nach erfolgreicher Therapie nach 3, 6, und 12 Monaten, anschliessend 1x jährlich

Melanom

  • Positive Familien- oder Eigenanamnese für Melanom (MM)
  • Personen mit ≥ 5 atypischen melanozytären Nävi und > 50 gewöhnliche melanozytäre Nävi
  • Immunsuppression (4 % erhöhtes Risiko im Vergleich mit Normalbevölkerung)
  • Heller Hauttyp (Typ I + II) und rothaarige Patienten im Vergleich zu schwarzem Haar
  • Intermittierende starke UV-Dosis, vor allem Sonnenbrände, vor allem im Kindesalter

Tabelle: Melanomtypen

Superfiziell spreitendes Melanom (SSM) (ca. 50 %)

  • Bevorzugt horizontales Wachstum in der superfiziellen Hautebene
  • Asymmetrische, flache, pigmentierte Läsion mit unregelmässiger Pigmentierung und Begrenzung

Noduläres Melanom (NM) (ca. 30 %)

  • Bevorzugt vertikales, tiefes Wachstum
  • Papulöse oder nodöse Pigmentläsion

Lentigo maligna Melanom (LMM) (ca. 10 %)

  • Bei älteren Patienten auf chronisch sonnenexponierter Haut, vor allem Gesicht
  • Flache, häufig etwas grössere Läsionen mit unregelmässiger Begrenzung

Akrolentiginöses Melanom (ALM) (ca. 5 %, aber häufigster MM-Typ bei dunklem Hauttyp)

  • An Händen und Füssen, auch an den Nägeln (subunguale Melanome)
  • Nicht mit UV-Exposition assoziiert

Sonstige Melanomtypen (< 5 %)

  • Amelanotisches MM, Schleimhaut-MM (Mund, Nase, genital, anorektal), desmoplastisches MM (sieht aus wie eine Narbe), okuläre Melanome, und MM‑Hautmetastasen mit unbekanntem Primärtumor

Beurteilung eines Pigmentmals nach ABCD-Regel
A – Asymmetrische Läsion
B – Begrenzung unregelmässig
C – Color: Mehrfarbigkeit, vor allem asymmetrisch verteilt
D – Dynamic (schnellwachsend innert Monaten oder wenigen Jahren); Durchmesser (je grösser, desto höheres Risiko)

  • Exzision der verdächtigen Läsion im Gesunden. Bei ausgedehnten Tumoren oder kritischer Lokalisation –> Inzisionsbiopsie
  • Histologie: Staging des Primärtumors mit Beurteilung der Tiefeninvasion (Tumordicke nach Breslow), Ulzeration und Mitoserate

mediX empfiehlt

  • Untersuchung beim Dermatologen bei allen Patienten, bei denen der Verdacht auf Bösartigkeit von einer oder mehreren Pigmentläsionen besteht
  • Familenangehörigen ersten Grades eines Melanompatienten wird dermatologische Vorsorgeuntersuchung empfohlen
  • Gesunde Risikopatienten: Vom Hautarzt mindestens einmalig zu untersuchen. Folge-Screenings individuell festlegen (gemäss Risikofaktoren, Befund und Erwartungen des Patienten)
  • Melanompatienten (Tertiärprävention) –> Kontrolle mindestens 1 x/Jahr

Vollversion

Autoren: Dr. med. Felix Huber, Dr. med. U. Beise

Änderungsdatum: 12/2019

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