Leberenzyme

Diagnostik

Soll ein Leberenzym-Screening im Rahmen eines Check-up erfolgen?

  • Ohne anamnestische Hinweise auf Lebererkrankung ist der Nutzen fraglich
  • Falls ein Lebertest durchgeführt wird, dann primär nur GPT (ALT)

Wann ist eine weiterführende Diagnostik bei erhöhten Leberenzymen indiziert?

  • Wenn diese chronisch (≥ 6 Monate) bestehen, oder
  • Das Dreifache der Norm überschreiten, oder
  • Die Patienten symptomatisch sind (klinische Zeichen einer Lebererkrankung)

Wann ist eine sofortige Spitaleinweisung erforderlich?

  • Bei plötzlicher starker Leberwerterhöhung (> 10-fache der Norm) und Verdacht auf akutes Leberversagen (innert Stunden/Tagen schnell ansteigender INR-Wert)

Was ist zu tun bei leicht oder mässig erhöhten Transaminasen?

  • Nach anamnestischem Ausschluss einer toxischen Ursache (Alkohol absetzen, verdächtige Medikamente absetzen) –> Kontrolle der Transaminasen innert 3 Monaten –> bei fortbestehend erhöhten Transaminasen oder weiterem Anstieg schrittweise Diagnostik

Enzymmuster und Hinweise auf zugrunde liegende Erkrankung

 

Hepatozellulärer
Schaden

Cholestase*

Toxisch/
infiltrativ

GOT

↑↑

GPT

↑↑

(↑)

𝛾-GT

↑↑

↑↑

AP

(↑)

↑↑

 

Autoimmun-
/Virushepatitis,
Metabolische
Störung
etc.

Intra
/extrahepatische
Cholostase
Alkohol,
NASH,
Tumor
etc.

*Initial können bei Cholestase die 𝛾-GT und AP noch normal und nur GPT (ALT) und GOT (AST) erhöht sein

De-Ritis-Quotient (DRQ) GOT/GPT:

  • Norm 0,6–0,8; DRQ < 1 bei geringem Leberschaden, DRQ > 1 bei schwerem Leberschaden; bei bekannter NASH, Hepatitis B oder C Hinweis auf die Entwicklung einer Zirrhose

Cave: Ein erhöhter De-Ritis-Quotient ist nicht aussagekräftig, wenn die Leberfunktionsparameter (Leberenzyme, Bilirubin, Quick) im Normbereich liegen

1. Schritt: Abklärung auf häufige Ursachen

Laboruntersuchungen

  • Vervollständigung der Leberfunktionswerte: GOT, GPT, AP, Bilirubin, ev. INR
  • Screening chronische Virushepatitis:
    • HBsAG, anti-HBc, anti-HCV
  • Screening Alkohol:
    • Hämatogramm, CDT (Aussagekraft beschränkt, positiv wenn über 60 g Alkohol in den letzten 7 Tagen), Cage-Fragen oder Audit-C
  • Screening metabolisches Syndrom:
    • Lipidwerte, Glukose, Blutdruckmessung
  • Screening Hämochromatose:
    • Transferrinsättigung > 45 % ist verdächtig auf Hämochromatose
    • Ferritin (weniger spezifisch): > 400 µg/l bei Männern und > 300 µg/l bei Frauen passen zum Krankheitsbild der Hämochromatose. Ferritin zusammen mit CRP bestimmen!

Sonographie Abdomen

  • Ultraschall als Erstuntersuchung. Bei spezifischer Fragestellung ev. Ergänzung durch CT und MRI

2. Schritt: Abklärung extrahepatische Ursachen

  • TSH –> Hyper-/Hypothyreose
  • CK –> Muskelerkrankungen
  • Transglutaminase-AK –> Zöliakie

3. Schritt: Abklärung auf seltene Ursachen

  • Serum-Coeruloplasmin bei Patienten < 40 J., tiefe Werte –> M. Wilson
  • Serumeiweiss-Elektrophorese
    • Erhöhtes IgG (1,2-fache der oberen Normgrenze) –> Verdacht auf Immunhepatitis
    • α1-Antitrypsin –> α1-Antitrypsin-Mangel

4. Schritt: Leberbiopsie

  • Nur bei speziellen Fragestellungen –> Indikation Fachspezialist

Autoren: Dr. med. U. Beise, Dr. med. S. Erni

Änderungsdatum: 09/2016

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