Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

Behandlungspfad

Für eine rasche Übersicht zu Diagnostik und Therapie –> mediX Behandlungspfad Reizdarmsyndrom

Diagnostik

  • Die Diagnose des RDS stützt auf den Rom-IV-Kriterien und eine fokussierte gastroenterologische Anamnese unter Einbezug von psychosozialen Gesichtspunkten
  • Tabelle: Rom-IV-Kriterien zur Diagnose eines RDS

    Symptome

    Wiederkehrende Abdominalschmerzen durchschnittlich einmal pro Woche assoziiert mit mindestens einem der folgenden Faktoren
    –> Assoziiert mit der Stuhlentleerung
    –> Assoziiert mit einer Veränderung der Stuhlgewohnheiten
    –> Assoziiert mit einer Veränderung der Stuhlkonsistenz

    Dauer

    Symptombeginn vor mehr als sechs Monaten
    Diagnosekriterien müssen über 3 Monate erfüllt sein

  • Chronisch rezidivierende Beschwerden mit diffusem schmerzhaftem und geblähtem Abdomen und Bauchkrämpfen, die periodisch auftreten und von unterschiedlicher Intensität sind
  • Unterschiedliche, wechselnde Konsistenz des Stuhls (von Durchfall bis Obstipation)
  • Imperative, repetitive Defäkationen
  • Defäkation bringt Erleichterung, bei Nahrungsaufnahme oder Stress nehmen die Beschwerden zu
  • Lange Vorgeschichte ähnlicher Symptome
  • Ev. postinfektiöser Symptombeginn
  • Alter > 50 J.
  • (Eisenmangel-)Anämie
  • Neu aufgetretene Beschwerden
  • Gewichtsverlust
  • Blutiger Stuhlgang
  • Zöliakie
  • Tumore
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Laktoseunverträglichkeit
  • Chologene Diarrhö
  • Chronische Pankreatitis
  • Nahrungsmittelallergie
  • Porphyrie
  • SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth)

Erweiterte Diagnostik

  • Symptombeginn > 50 J. –> Koloskopie obligat
  • Red flags –> ev. Überweisung an Gastroenterologen
  • Falls nach 4-wöchiger probatorischer Behandlung Beschwerden persistieren
  • Pankreaselastase (bei 6 % der Patienten exokrine Pankreasinsuffizienz): Nur bei Äthylismus, Diabetes mellitus, Malabsorptionssymptomen, Fettstühlen
  • Bei Diarrhö > 6 Wo. –> Koloskopie
  • TSH
  • Diätetischer Auslassversuch (1–2 Wo keine Milch und -produkte zur DD Laktoseintoleranz), dann Provokationstest (2–5 dl Milch bei Zimmertemperatur oder Symptombesserung unter Lacdigest®)
  • Ev. Fruktose-H2-Atemtest zur DD Fruktoseintoleranz
  • Medikamentenscreen, Diabetes mellitus, neurologische Erkrankungen (Sklerodermie, Parkinson)
  • Gastroskopie bei gleichzeitig bestehenden Oberbauchbeschwerden
  • Ev. CT Abdomen
  • DD Ovarial-Ca –> gynäkologische Abklärung
  • DD Endometriose (Frauen mit Dysmenorrhö, Dyspareunie und unerfülltem Kinderwunsch)

Therapie

Allgemeine Beratung

  • Aufbau einer stabilen langfristigen Arzt-Patienten-Beziehung!
  • Patienten beruhigen und über die Harmlosigkeit/Gutartigkeit des RDS aufklären
  • Zusammenhänge mit Anspannung, Stress, autonomem Nervensystem erläutern   
  • Therapieplan besprechen und realistische Erfolgsaussichten formulieren
  • Mehr Bewegung trägt zur Linderung der Beschwerden bei
  • Stuhlregulation mit Quell- und Ballaststoffen
  • Umstellungen der Ernährung können hilfreich sein

Ernährungsberatung

  • Verzicht auf blähende Speisen
  • Ballaststoffe und Obst können problematisch sein
  • Laktosearme Diät bei Laktoseintoleranz
  • FODMAP-Diät bei Patienten, die trotz Weglassen von gasbildenden Nahrungsmitteln weiterhin unter schmerzhaften Blähungen leiden (+ Diätberaterin) –> Patienteninformationen

Keine überzeugende Evidenz für die meisten Präparate!

Bei Diarrhö

  • Loperamid bei Bedarf: 1/4–1/2 Tbl Imodium lingual® 45 Minuten vor der Mahlzeit
  • Probatorisch Psyllium/Ispaghula (Metamucil®)

Bei Obstipation

  • Polyethylenglykol (PEG)-Lösungen: 1 Beutel 1–4 x tgl.
  • Psyllium/Ispaghula versuchsweise
  • Lubiproston (Amitiza®) und Linaclotid (Constella®) in Reserve, häufige Nebenwirkungen

Bei Blähungen/Schmerzen

  • Phytopharmakon STW-5 (Iberogast®): 3 x 20 Tr./d, Wirkung tritt verzögert ein
  • Antidepressiva (SSRI, Trizyklika): Nur bei bestehender Depression
  • Spasmolytika wie Hyoscin (Buscopan®), Pinaverin (Dicetel®), Trimebutin (Debridat®) und Pfefferminz (Colpermin®): Wirksamkeit zweifelhaft
  • Probiotika: Wirksamkeit nicht überzeugend nachgewiesen
  • Biofeedback
  • Akupunktur
  • Psychotherapeutische Verfahren: Klinische Hypnose, Körper- und Verhaltenstherapie

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Autoren: Dr. med. U. Beise, Dr. med. F. Huber

Änderungsdatum: 10/2019

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