Hyperlipidämie

Diagnostik

Gesamt-C, HDL-C, LDL-C,Triglyzeride bestimmen

  • Bei Männern ab 35 J., bei Frauen ab 45 J. (kv. Risikoabklärung alle 5 Jahre bei niedrigem Risiko, alle 2–5 Jahre bei intermediärem Risiko). Bei 65–75-Jährigen ist der Nutzen unklar, ab 75 Jahre sollte kein Screening mehr durchgeführt werden
  • Bei kardiovaskulären RF unabhängig vom Alter

Weitere Untersuchungen

  • Bei Hypercholesterinämie TSH bestimmen
  • Transaminasen bestimmen

Hinweise auf Familiäre Hypercholesterinämie (FH):

  • Cholesterin > 7,5 mmol/l, LDL-C: > 4,9 mmol/l (Erwachsene)
  • Cholesterin > 6,7 mmol/l, LDL-C: > 4,0 mmol/l (Kinder/Jugendliche)
  • Vorzeitige Atherosklerose beim Patienten oder in seiner Familie

Diagnose-Score für heterozygote FH: AGLA

Therapie

  • Lebensstil anpassen 1. Priorität!
    • Nikotinstopp
    • Regelmässige Bewegung (3 x pro Woche 30–45 min aerobes Training)
    • Nachhaltige Gewichtsabnahme bei Übergewicht
    • Ernährung: Meiden von Transfettsäuren, sonst allgemeine Ratschläge, Ernährungspyramide (Eier ohne Einfluss auf Cholesterinspiegel)
  • Statintherapie bei kv 10-Jahres Risiko > 20 % (gem. AGLA-Score), im Einzelfall evtl. auch bei sehr hohem Cholesterin bei < 20 % kv Risiko, v. a. bei Risikopatienten wie Diabetikern und fam. Hypercholesterinämie
    • AGLA-Score: AGLA Risikorechner
    • Lipidsenker: Atorvastatin 40/20 mg/d, Simvastatin 40 mg/d, Pravastatin 40 mg/d. Tabletten teilen, wo möglich

2 Strategien

 "Treat to target"-Strategie (empfohlen von ESC/AGLA)

  • Statindosis wird auf bestimmten Zielwert entsprechend der definierten Risikokategorie titriert
  • Kontrollen: Lipidparameter und Leberenzyme 8 (4–12) Wochen nach Therapiebeginn bzw. nach Therapieanpassung

 "Fire and forget"-Strategie

  • Medikation ohne routinemässige Lipidkontrollen
  • Kontrollen: Leberenzyme nach 8 (4–12) Wochen
  • Beachte: ggfls. werden mit dieser Strategie Hochrisikopatienten untertherapiert

Statintherapie bei Älteren

Primärprävention bis 75 J.

  • Bei manifester atherosklerotischer Erkrankung (KHK, PAVK, St. n. TIA/ischämischer Hirnschlag, koronare/arterielle Revaskularisation)
  • "Treat to target" mit LDL-C: < 1,8 mmol/l oder 50 % LDL-Senkung
  • Lipidsenker
    • Atorvastatin 40/20 mg/d, Simvastatin 40 mg/d, Pravastatin 40 mg/d
    • Fixkombinationen Ezetimib/Simvastatin (Inegy®) oder Ezetimib/Atorvastatin (Atozet®) erwägen, wenn mit der tolerierten maximalen Statindosis die LDL-Zielwerte nicht erreicht werden
  • Statintherapie bei Älteren
    • Sekundärprävention bis 80 J., danach mit dem Patienten die Vor- und Nachteile der Statinbehandlung besprechen und ev. absetzen

Vorgehen bei Transaminasen-Erhöhung unter Statintherapie

  • Tansaminasen < 3 x ULN: Statintherapie fortsetzen, Leberenzyme erneut bestimmen nach 4–6 Wochen
  • Transaminasen ≥ 3 x ULN: Statintherapie stoppen oder Dosis reduzieren –> Kontrolle nach 4–6 Wochen, wenn ALT/GPT normal, Fortsetzung erwägen
    ULN = upper limit of normal

Management der Statinintoleranz (Myopathien)

  • CK bei Muskelsymptomen kontrollieren, Sport-/Alkoholanamnese
  • Statin absetzen: Bei starken Beschwerden, bei Rhabdomyolyse (CK > 40 x ULN), ev. auch bei primärpräventiver Therapie
  • Bei mutmasslich Statin-assoziierten Muskelsymptomen (auch ohne CK-Erhöhung):
    • Dosierung verringern bzw. Statin nur alle 2 Tage einnehmen
    • Wechseln auf anderes Statin (Pravastatin oder Fluvastatin in geringer Dosis)
  • Fibrate (Fenofibrat oder Gemfibrozil) nur bei massiv erhöhten TG-Werte (> 11,3 mmol/l)

Autoren: Dr. med. U. Beise, Dr. med. F. Huber

Änderungsdatum: 10/2016

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