Reizdarm

Diagnostik

Chronisch (> 3 Monate) anhaltende Darmbeschwerden mit Stuhlgangveränderung, die die Lebensqualität beeinflussen und keinem andern Krankheitsbild zugeordnet werden können.

  • Alter > 50 J.
  • (Eisenmangel-)Anämie
  • Neu aufgetretene Beschwerden
  • Gewichtverlust
  • Blutiger Stuhlgang
  • Zöliakie
  • Tumoren
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Laktoseunverträglichkeit
  • Chologene Diarrhoe
  • Chronische Pankreatitis
  • Nahrungsmittelallergie
  • Porphyrie.
  • Hämatogramm (Tc↑, Hb↓), CRP, Vit. B12, Ferritin, ev. Folsäure, Calprotectin im Stuhl (chron. entzündliche Darmerkrankung), Transglutaminase-AK und Gesamt-IgA (Zöliakie).

Erweiterte Diagnostik

  • Symptombeginn > 50 J. –> Koloskopie obligat
  • Red flags –> ev. Überweisung an Gastroenterologen
  • Falls nach 4-wöchiger probatorischer Behandlung Beschwerden persistieren.
  • Pankreaselastase (bei 6 % der Patienten exokrine Pankreasinsuffizienz): nur bei Äthylismus, Diabetes mellitus, Malabsorptionssymptomen, Fettstühlen
  • Bei Diarrhö > 6 Wo. –> Koloskopie
  • TSH.
  • Diätetischer Auslassversuch (1–2 Wo keine Milch und -produkte zur DD Laktoseintoleranz), dann Provokationstest (2–5 dl Milch bei Zimmertemperatur oder Symptombesserung unter Lacdigest®)
  • Fruktose-H2-Atemtest zur DD Fruktoseintoleranz.
  • Medikamentenscreen, Diabetes mellitus, neurologische Erkrankungen (Sklerodermie, Parkinson).
  • Gastroskopie bei gleichzeitig bestehenden Oberbauchbeschwerden
  • ev. CT Abdomen.
  • DD Ovarial-Ca –> gynäkologische Abklärung
  • Endometriose.

Therapie

  • Allgemeine Beratung
    • Aufbau einer stabilen langfristigen Arzt-Patienten-Beziehung!
    • Aufklärung über
      • Harmlosigkeit/Gutartigkeit
      • Zusammenhang mit Anspannung, Stress, autonomen Nervensystem
      • Stuhlregulation
      • Bewegung
      • Realistische Erfolgsaussichten.
  • Ernährungsberatung
    • Verzicht auf blähende Speisen
    • Ballaststoffe und Obst können problematisch sein
    • Laktosearme Diät
    • Gluten-reduzierte Diät
    • Ev. FODMAP-Diät (Fermentable Oligo-, Di- and Monosaccharides and Polyole) (Patienteninformation unter http://www.fodmaps.de).

keine überzeugende Evidenz für die meisten Präparate!

Bei Diarrhoe

  • Loperamid bei Bedarf: 1/4–1/2 Tbl Imodium lingual®45 Minuten vor der Mahlzeit
  • Probatorisch Psyllium/Ispaghula (Metamucil®).

Bei Obstipation

  • Polyethylenglykol (PEG)-Lösungen: 1 Beutel 1–4 x tgl.
  • Psyllium/Ispaghula versuchsweise
  • Lubiproston und Linaclotid in Reserve, häufige Nebenwirkungen.

bei Blähungen/Schmerzen

  • Spasmolytika wie Hyoscin (Buscopan®), Pinaverin (Dicetel®), Trimebutin (Debridat®) und Pfefferminz (Colpermin®)
  • Phytopharmakon STW-5 (Iberogast®): 3 x 20 Tr./d, Wirkung tritt verzögert ein
  • Antidepressiva (SSRI, Trizyklika) nur bei bestehender Depression
  • Probiotika.

Andere Verfahren

  • Biofeedback
  • Akupunktur
  • Psychotherapeutische Verfahren: klinische Hypnose, Körper- und Verhaltenstherapie.

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