STD Sexuell übertragbare Krankheiten

Allgemeines

  • Sexuelle Gewohnheiten (ungeschützter vaginaler, oraler, analer Verkehr, wechselnde Geschlechtspartnerinnen oder -partner)
  • Risikosituationen (Drogenkonsum, gerissenes Präservativ, sexuelle Gewalt, bezahlter Sex)
  • Reisen (Länder und Daten)
  • Schwangerschaft und Empfängnisverhütung
  • Allgemeine Symptome einer Infektion (Fieber, Gewichtsverlust, Adenopathien)
  • Untersuchung von Haut und Schleimhäuten im Bereich der Genitalien, des Anus, des Mundes und Rachens sowie der Bindehaut
  • Beobachtung und Beschreibung des Ausflusses
  • Rektale Untersuchung
  • ♀: Untersuchung zur Lokalisierung der Unterleibschmerzen
  • ♀: Untersuchung der Vaginalöffnung; Untersuchung mit dem Spekulum
  • Kein Geschlechtsverkehr während 7 Tagen ab Behandlungsbeginn
  • Safer-Sex-Regeln: Verwendung von Präservativen bei Anal- oder Vaginalverkehr, kein Menstruationsblut oder Sperma in den Mund

Gonorrhoe, Lues, Chlamydia trachomatis, Hepatitis A, B, C sowie HIV/Aids. Die Erstmeldung erfolgt durchs Labor. BAG Meldeformulare

Gonorrhö

  • ♂: Eitriger Ausfluss, Pollakisurie, Hämaturie. Orificium urethrae kann geschwollen und gerötet sein. Fieber.
    Beachte: Oft nur spärlicher seröser Ausfluss oder „Bonjour-Tropfen“ am Morgen; Symptomfreiheit ist möglich
    Komplikationen: Prostatitis, Spermatocystitis, Funiculitis, Epididymitis
  • ♀: Urethritis, Zervizitis, Bartholinitis. Weisslich-gelber Fluor, z. T. stechende Schmerzen oder Brennen bei der Miktion. Ev. Rötung und Ödem der Portio mit Kontaktblutung. Menorrhagie und Metrorrhagie (bei Beteiligung des Endometriums)
    Komplikationen: Pelvic Inflammatory Disease (PID): Endometritis, Parametritis, Salpingitis, Oophoritis, Tuboovarialabszesse und Peritonitis, Sterilität!
  • ♂/♀: Pharyngitis, disseminierte Form: Tenosynovitis, Dermatitis, wandernde Polyarthritis, septische Monoarthritis
    Beachte: Gonorrhö des Pharynx und des Anus meist asymptomatisch –> Erregerreservoir!
  • PCR-Nachweis
    • ♂: Erststrahlurin 10–20 ml (nach mindestens 1-stündiger Karenz oder Morgenurin)
    • ♀: Vaginalabstrich, immer auf Gonokokken und Chlamydien
  • Abklärung auf HIV und Syphilis
    Beachte: Bei Kontakt mit einem dokumentiert infizierten Partner –> sofortige Therapie ohne weitere Abklärung
  • Ceftriaxon 500 mg i.m. (Einzeldosis). Alternative: Gentamycin 240 mg i.m. (Einzeldosis), nur wenn Ceftriaxon nicht möglich ist
  • Zusätzlich Azithromycin 1 g p.o. Einzeldosis gegen Nicht-Gonorrhö-Urethritis/-Zervizitis (NGU/NGZ)
  • In der Schwangerschaft: Cephalosporin
  • PARTNER mitbehandeln!

Chlamydien

  • ♂/♀: Konjunktivitis, Pharyngitis, Lymphogranuloma venerum (endemisch bei Heterosexuellen in Ost/Westafrika, Indien, Teilen Südostasiens und Karibik; steigende Zahlen bei Homosexuellen in CH)
  • ♂: Urethritis, seröserAusfluss, Algurie. Weniger akut und dolent als Go-Urethritis. Oft nur diskrete Rötung des Orificium urethrae und Verklebung der Harnröhrenmündung. Proktitis bei anogenitalem Kontakt. Chron. Prostatitis: Rolle von Chlamydien unklar. Bei 30–50 % symptomfrei!
    Komplikationen: Nebenhodenentzündung (häufig Chlamydieninfekt bei Männern < 35 J.), reaktive Arthritis
  • ♀: Urethritis, Zervizitis, meist gelblich-weisslicher vaginaler Ausfluss mit Juckreiz am Introitus   vaginalis. Kontaktblutungen oder Spotting nach Geschlechtsverkehr möglich. Bei bis zu 70 % symptomfrei
    Komplikationen: PID (Salpingitis, Oophoritis, Peritonitis); Perihepatitis. Bei bilateralem Tubenverschluss Sterilität!
  • PCR-Nachweis:
    ♂: Erststrahlurin 10–20 ml (nach mindestens 1-stündiger Karenz oder Morgenurin)
    ♀: Vaginalabstrich; immer auf Chlamydien und Gonokokken
  • Abklärung auf Syphilis, HIV
    Beachte: Erfolgte ein Kontakt mit einem dokumentiert infizierten Partner –> sofortige Therapie ohne weitere Abklärung
  • Azithromycin 1 g als Einmaldosis. Alternative: Doxycyclin 100 mg 2 x tgl. für 7 d
  • In der Schwangerschaft:
    • < 20. SSW –> Erythromycin 4 x 500 mg/d für 7 d (2. Wahl: Amoxicillin 3 x 500 mg/d für 7 d)
    • > 20. SSW –> Azithromycin 1 g (Einzeldosis)
  • Bei Verdacht sofort Gonorrhö-Mitbehandlung (Ceftriaxon 500 mg i.m. Einzeldosis)
  • PARTNER mitbehandeln!
  • Empfohlen bei sexuell aktiven Patientinnen < 25 J. und Frauen über 25 J. mit RF (multiple Partner, neuer Partner)

Syphilis (Lues)

Primärstadium

  • Nach ca. 3 Wo. Primäraffekt (typisch: Sulcus coronarius/kleine Labien): dunkelroter Fleck oder Papel, die rasch in eine Erosion übergeht; nach 1–2 Wo. entsteht schmerzloses, scharf begrenztes, flaches Ulkus mit gelblich belegtem Grund und derbem, nicht unterminiertem Randwall. Kurz darauf bilaterale asymptomatische Lymphknotenschwellungen. Nach einigen Wochen Vernarbung. Beachte: Atypische Formen sind häufig! In 10 % extragenital (z. B. Lippen, Mundhöhle, Enddarm)

Sekundärstadium

  • 8–12 Wochen nach Infektion: Mehrfaches, symptomärmeres Rezidivieren, später Übergang in symptomlose Lues latens
  • Allgemeinsymptome: Müdigkeit, leichtes Fieber, Krankheitsgefühl, generalisierte Lymphadenopathie, Kopf-, Muskel-, Gelenkschmerzen, vorwiegend nachts
  • Grosser Formenreichtum der Hauterscheinungen: Bei unklarem Exanthem auch an Syphilis denken! Kein Juckreiz!
  • Befall von Handtellern und Fusssohlen
  • Roseola, Condylomata lata, makulopapulöses Syphilid (Mundschleimhaut), Plaques muqueuses

Tertiärstadium

  • Meist ab 3.–5. Krankheitsjahr
  • Tubero-serpiginöse Syphilide, Gummen, Mesaortitis luetica

Quartärstadium (Neurolues)

  • Tabes dorsalis mit lanzinierenden Schmerzen, Ataxie, Schwinden der Patellar- und Achillessehnenreflexe
  • Tubero-serpiginöse Syphilide, Gummen, Mesaortitis luetica
  • Direkter Erregernachweis mittels Dunkelfeldmikroskopie aus Reizsekret (einzige Nachweismöglichkeit in der Frühphase!)
  • PCR (Abstrich aus Läsion), besonders bei extragenitalen Manifestationen, unklaren genitalen Läsionen, nässenden Läsionen bei Sekundärsyphilis
  • Suchtest (Serologie)
    • TPPA (Treponema Pallidum Particle Agglutination Assay) oder T. Pallidum IgG
      –> Wenn positiv: Aktivitäts-Test durchführen
  • Aktivitätstest
    • VDRL (Venereal-Disease-Research-Laboratory)-Test oder RPR (Rapid-Plasma-Reagin)-Test

      –> Wenn positiv: Diagnose aktive Lues (–> Therapie)
      –> Wenn negativ: St. n. behandelter Lues?, FTA (Fluorescent Treponemal Antibody Absorption)
      oder EIA (Enzyme-linked Immunosorbent Assay) –> wenn negativ wahrscheinlich TPPA falsch positiv (Rücksprache Labor!)

  • Lues-Serologie: Titer und Verlauf
  • Immer Abklärung Gonorrhö, HIV, NGU/NGZ!

Frühsyphilis (Primärsyphilis, Sekundärsyphilis oder latente Syphilis bis 1 Jahr post infectionem)

  • Benzathin-Benzylpenicillin: 2,4 Mio. I.E. i.m. (gluteal li/re je 1,2 Mio. I.E.) Einmalgabe
  • Fakultativ Steroide vor Erstgabe von Benzathin-Benzylpenicillin: 50 mg p.o. 30 min vor Injektion
  • Bei Penicillinallergie: Doxycyclin 2 x 100 mg/d p.o. für 14 Tage oder
    Ceftriaxon 1 g/d i.m./i.v. für  8–10 d, wenn nur Exanthem auf Penicillin

Spätsyphilis (> 1 Jahr post infectionem)

  • Benzathin-Benzylpenicillin: 2,4 Mio. I.E. i.m. (gluteal li/re je 1,2 Mio.I.E.) Tag 1, 8, 15
  • Bei Penicillinallergie: Doxycyclin 2 x 100 mg/d p. o. für 28 d

 Verlaufskontrollen:

  • Quantitativer VRDL nach 3, 6, 12 Monaten, im Einzelfall auch länger

Herpes genitalis

  • Prodrome: Grippeähnliche Symptome, ev. LK-Schwellungen
  • Lokal: Flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die eintrüben und platzen und kleine Ulzera bilden. Typisch: Gruppen von schmerzhaften Läsionen am Genitale, am Gesäss und angrenzenden Arealen. Ausserdem: Überempfindlichkeit, Juckreiz, Brennen. Algurie bei urethralem Befall, Abdominalbeschwerden bei analem Befall. 20–30 % symptomfrei, atypische Läsionen sind nicht selten.                                                                                                                 
  • Bei typischem Erscheinungsbild kann Diagnose klinisch gestellt werden, ev. Abstrich Kruste oder Bläscheninhalt: PCR (Stäbchen in sterilem Medium, Kultur (Virus-Transportmedium)

Erstmanifestation

  • Valaciclovir (VACV) 2 x 500 mg/d für 5–10 d; 2. Wahl: Famciclovir (FACV) 3 x 250 mg/d für 5–10 d
  • Zusätzlich bei Bedarf Analgetika

Rezidiv

  • Therapie fakultativ: VACV 2 x 500 mg/d für 3–5 d; 2. Wahl: FACV 2 x 125 mg/d für 5 d
  • Alternativ: Selbstmedikation bei ersten Anzeichen mit FACV oder VACV 1‘000 mg, 2 Dosen in Abständen von 12 h

Dauersuppression (Kostengutsprache) bei > 6 Rezidiven/Jahr

  • Bei > 10 Rezidiven/Jahr und hohem Leidensdruck: VACV 2 x 250 mg/d für 6–12 Monate (Dauersuppression)
  • Bei < 10 Rezidiven und hohem Leidensdruck: VACV 1 x 500 mg/d für 6–12 Monate

Hepatitis

HIV/Aids

Autoren: Dr. med. U. Beise, Dr. med. F. Huber

Änderungsdatum: 03/2019

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