Tonsillopharyngitis

Diagnostik

Streptokokken A-Pharyngitis (GABHS)

  • Akuter Beginn, Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden, Fieber, Rötung von Rachenschleimhaut, Uvula und Tonsillen, geschwollene und/oder belegte Tonsillen, vergrösserte und druckdolente zervikale anteriore Lymphknoten
  • Die Symptomatik lässt keine sichere Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Ursache zu (viral ist jedoch sehr viel häufiger)
  • Rhinitis, Husten, Konjunktivitis, virales Exanthem und orale Ulzera sprechen eher gegen eine bakterielle Genese

Centor-Score zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer GABHS-Pharyngitis:

Fieber in Anamnese oder Temperatur > 38 Grad

1

Kein Husten

1

Schmerzhafte vordere Halslymphknoten

1

Tonsillenschwellung oder -exsudate

1

 

Algorithmus zur Abklärung bei Halsschmerzen – auf der Basis des modifizierten Centor-Scores

WA GL Tonsillopharyngitis Abb q

Klinisches Bild

  • Symptomentrias: Tonsillopharyngitis, Fieber und zervikale LK-Schwellungen
  • Eher flächige Tonsillenbeläge (bei Streptokokken-Tonsillitis stippchenartig)
  • Halslymphknotenschwellungen nicht nur vor, sondern meist auch hinter dem M. sternocleidomastoideus zu tasten

Abklärung

  • Die Mononukleose ist eine klinische Diagnose. Nur in Zweifelsfällen und bei Hochrisiko-Patienten (Schwangerschaft, HIV-Infektion, Immundefekt) soll die Diagnose durch Laboruntersuchungen erhärtet werden:
    • Lymphozyten/Leukozyten-Gesamtzahl > 35 % (Sensitivität 84 %, Spezifität: 72 %)
    • Monospot (Sensitivität: 71–98 %, Spezifität: 91–99 %). Der Monotest hat eine höhere Sensitivität nach der ersten Krankheitswoche!
    • Serologie (meist nicht erforderlich): Anti-VCA-IgM und anti-VCA-IgG, anti-EBNA-IgG. Für eine frische EBV-Primärinfektion spricht: Nachweis von anti-VCA-IgM und anti-VCA-IgG ohne Nachweis von anti-EBNA-IgG
  • –> mediX empfiehlt den Monotest bei persistierenden (> 7 Tage) ausgeprägten Symptomen und bei negativem Strept- A-Schnelltest

  • Bei EBV-Verdacht und gegebenem HIV-Risiko –> immer HIV-Serologie

Therapie

  • Analgetika (Paracetamol, Ibuprofen) zur Symptomlinderung. Cave: Bei EBV-Infektion kein Paracetamol (Hepatotoxizität)
  • Lokalanästhetika sind nicht indiziert
  • Keine routinemässige Antibiotikagabe bei GABHS-Pharyngitis (da geringesRisiko von Folgekrankheiten/Komplikationen sowie zunehmende Antibiotikaresistenzen)

Antibiotika werden empfohlen bei

  • Pharyngitispatienten mit GABHS-Nachweis und schwerer klinischer Symptomatik oder mit bestimmten Grunderkrankungen, z. B. konsumierende Erkrankungen oder Immunsuppression
  • Patienten mit abszedierender Lymphadenitis oder drohendem bzw. manifesten Peritonsillarabszess
  • Patienten mit ARF in der Eigen- oder Familienanamnese
  • (Verdacht auf) GABHS-Pharyngitis bei hoher lokaler Inzidenz von Streptokokkeninfektionen (z. B. Kinderkrippen, Schulen)

Wahl des Antibiotikums

Bei Kindern

  • 1. Wahl: Amoxicillin 2 x 25 mg/kgKG p.o. für 6 d
  • 2. Wahl: Penicillin 2 x 50‘000 IE/kgKG p.o. für 10 d

Bei Penicillin-Allergie

  • Cefuroxim 2 x 15 mg/kgKG p.o. für 10 d
  • Clindamycin 3 x 7 mg/kgKG p.o. für 10 d

Bei Erwachsenen

  • Amoxicillin 2 x 1 g p.o. für 6 d
  • Penicillin 3 x 1 Mio IE/d für 8 d

Bei Penicillin-Allergie

  • Clarithromycin 2 x 500 mg/d p.o. für 5 d
  • Cefuroxim 2 x 500 mg/d p.o. für 5 d

Vorgehen bei Nichtansprechen auf antibiotische Therapie

  • Bei nicht ausreichender Besserung Konsultation nach 48 bis 72 h, bei Verschlechterung sofort

Abklärungen

  • Bestehen weiterhin Zeichen einer GABHS-Pharyngitis?
  • Gibt es Hinweise auf Mononukleose oder eine andere virale Erkrankung (z. B. HIV Primoinfekt)?
  • Haben sich Komplikationen eingestellt (z. B. Peritonsillarabszess)?
  • Wenn eine bakterielle Ursache weiterhin wahrscheinlich ist: Erregernachweis (Abstrich mit Kultur) und gezielt therapieren
  • Kann erwogen werden bei Auftreten von 7 GABHS-Infektionen in einem Jahr oder je 5 Episoden in 2 aufeinander folgenden Jahren oder je 3 Episoden in 3 aufeinander folgenden Jahren, wenn die Infektionen schwer beeinträchtigend sind

Autoren: Dr. med. D. Puhan, Dr. med. U. Beise

Änderungsdatum: 02/2019

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